Transportradförderung: Empfehlungen für Verwaltung und Politik
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Die Erkentnisse und internationale Vorbilder sind in unserem Policy Paper zusammengefasst.
Rahmenbedingungen für den betrieblichen Einsatz von Transporträdern
Während das Transportrad im privaten Gebrauch und in der Logistik in Stadtgebieten bereits eine verbreitete Alternative zum Kfz darstellt, hat es sich im Bereich des Personenwirtschaftsverkehrs von Servicebetrieben bislang kaum etabliert. Dabei bietet es auch hier das große Potenzial, CO2-Emissionen einzusparen. Das Forschungsprojekt “ANTRIEB” gab uns die Gelegenheit, praktisch mit Betrieben an der Überwindung von Nutzungshürden zu arbeiten. Ergänzend wurde der Frage nachgegangen, wie Gemeinden, Städte, Länder und der Bund die betriebliche Nutzung von Transporträdern im Personenwirtschaftsverkehr fördern können.
Denn für diese Branchen fehlen entsprechende Anreize und Angebote, die über eine reine Kaufförderung hinausgehen. Die gewohnten Abläufe der Kfz-Nutzung ändern sich nicht ohne Push- und Pull-Maßnahmen. Für einen raschen und breitenwirksamen Umstieg auf das Transportrad ist es daher notwendig, Hebel aus unterschiedlichen Perspektiven zu identifizieren und einzusetzen.

Maßnahmenbündel auf drei Ebenen
Die möglichen Maßnahmen betreffen verschiedene Verwaltungsebenen vom Bund über das Bundesland bis hin zur Gemeinde. In der Literaturrecherche, den Expert:inneninterviews und Stakeholderworkshops hat sich gezeigt, dass Maßnahmenbündel mit Elementen aus verschiedenen Kategorien bessere Effekte erzielen. Die begleitende Forschung mit Pilotbetrieben ergab einen guten Einblick in betriebliche Hürden, die vor allem im Motivationsbereich der Mitarbeiter:innen oder in Herausforderungen beim Wissenstransfer bestehen. Aus den Befragungen resultiert, dass eine rein finanzielle Ankaufförderung für Transporträder als Einzelmaßnahme weniger wirksam ist, als wenn sie in Kombination mit Beratungen und Testangeboten für Betriebe verfügbar ist, begleitet von PR und verkehrlichen Maßnahmen.
Fünfzehn Themenbereiche sind im Policy Paper behandelt: Von finanziellen Themen (Kaufförderung, Nutzungsförderung, Abwrackprämie, Förderung von Radkursen, Parkraumbewirtschaftung) über regulative Maßnahmen (verkehrliche Regulationen, rechtliche Verbesserungen, Ausbau der Radinfrastruktur) zu Bewusstseinsbildung (Testangebote, Werbekampagnen, Events und Wettbewerbe, Vorbildwirkung) zu praktischer Beratung (Ratgebermaterial für Betriebe, direkte Aktivierung und Beratung von Betrieben). Unsere Conclusio: Am besten werden diese Maßnahmen von einer zentralen bundesweiten Koordinationsstelle getragen.

Wir greifen hier vier Beispiele aus unserem Policy Paper heraus, die in Österreich noch nicht im Transportradbereich eingesetzt wurden:
Nutzungsförderungen
Diese Art der finanziellen Förderung dient ergänzend zu Ankaufförderungen als Steuerungselement, um Anreize für Betriebe und deren Kundschaft zu setzen, das Transportrad tatsächlich zu nutzen. Den Betrieben wird dabei eine Prämie ausbezahlt, wenn Dienstleistungen mit dem Transportrad durchgeführt werden. Die Initiative ColisActiv ist dafür das beste Beispiel, sie förderte in französischen Städten die Nutzung von Transporträdern für Kurier-Express-Paket-Dienste sowhl beim Lieferanten als auch beim Besteller. Für jede Lieferung, die per Transportrad erfolgt, erhielten Betriebe gesamt einen finanziellen Bonus von 2€.

Abwrackprämie
Bei der Umtausch- oder Abwrackprämie wird die Förderung an die Abschaffung eines Kfz im Betrieb gekoppelt. Betriebe erhalten nach Nachweis von Verkauf bzw. Verschrottung eines Kfz eine einmalige Prämie für den Ankauf eines Transportrades oder auch eine Erhöhung der vorhandenen Ankaufförderung. Die Umweltbehörde Hamburg lancierte beispielsweise im Rahmen des Programms #moinzukunft eine Ankaufförderung bis zu einem Drittel des Kaufpreises. Zusätzlich erhielten Hamburger:innen, die ein Auto mit Verbrennerantrieb verschrottet hatten, einen Abwrackbonus von 500 €.
Änderungsbedarf in der Fahrradverordnung
Bezüglich noch ausstehender Änderungen zum Vorteil von Transportradnutzung nennt die „Grundlagenstudie Fahrradverordnung“ im Auftrag des Klimaschutzministeriums Änderungsbedarf bei Vorschriften zu Anhängertypen und Ladegewichten. Die Verwendung dreirädriger Anhänger-Produkte wie der international gefragte und auch im Testjahr unseres Forschungsprojekts eingesetzte Carla Cargo ist in Österreich rechtlich bis dato nicht geklärt. Zeitgemäße Transporträder, Schwerlasträder und Anhänger können technisch gesehen weit mehr transportieren als die gesetzlichen Ladegewichte in Österreich zulassen.

Krankenkasse bietet Transportradtests
Das Präventionsprojekt „IKK Handwerksrad“ einer der größten gesetzlichen Krankenkassen in Deutschlands bietet einen Aktionstag im Betrieb, Testfahrten und Sicherheitstrainings für Mitarbeitende sowie eine sechswöchige kostenfreie Testphase der E-Lastenräder, die von Transportrad-Berater:innen begleitet wird. Die IKK classic bezieht sich dabei auf die bekannten Gesundheitsvorteile durch Radfahren und setzt bewusst Anreize, um ihre Versicherten in Bewegung zu bringen.
Zentrale Koordinationsstelle
Alle in unserem Policy Paper genannten Maßnahmen sollten nicht isoliert eingesetzt werden, sondern vielmehr in Maßnahmenbündeln aufeinander abgestimmt kombiniert werden. Deren Wirksamkeit hat sich in unserem Forschungssetting bestätigt. Eine zentrale Koordinationsstelle kann die Vorbereitung, Implementierung, betriebliche Begleitung, sowie die Evaluation und Anpassung bzw. Weiterentwicklung von Maßnahmen bündeln.
Die Aufgabe einer Koordinationsstelle für betriebliche Transportradnutzung wäre es, Angebote zu schaffen, die für einzelne Gemeinden schwer umsetzbar wären oder besser überregional organisierbar sind. Dazu zählt jedenfalls die Bereitstellung eines Testfuhrparks. Die Angebote selbst können regional stattfinden: Beratungen, Testangebote, Betriebsansprache. Werbe- und Informationskampagnen können österreichweit ausgerollt werden und gleichzeitig lokale Elemente wie Testimonials und Pionierbetriebe enthalten. Finanzielle Förderungen können weiterhin von verschiedenen Körperschaften eigenständig angeboten und von der Koordinationsstelle regional passend kommuniziert werden.
